23.06.
2016

Cindy Roleder wieselflink zur Goldmedaille


LVZ-Artikel vom 20.06.2016

 

Leichtathletik-Meisterschaften in Kassel: Alexander John strauchelt an letzter Hürde, bei David Storl zieht jemand den Stecker raus

Kassel.
Zwei Meister, zwei Rio-Fahrkarten, aber unterschiedliche Reaktionen: Während Hürdensprinterin Cindy Roleder bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel ihre Ehrenrunde in vollen Zügen genoss und mit den 13 500 Zuschauern zufrieden La Ola übte, kam bei ihrem DHfK-Kollegen David Storl nach seinem sechsten Kugelstoß-Titel keine große Freude auf. Dann gab es für die Leipziger Leichtathleten mal wieder ein kleines Hürden-Drama: Alexander John fehlten zehn Meter zur Goldmedaille samt Olympiaticket, als er an der letzten Hürde strauchelte und sich gerade noch mit Bronze ins Ziel rettete.

Für Cindy Roleder war am Sonnabend "Wiesel-Time". Diesen Spruch samt Bild des flinken Tierchens hatte ihr Trainingskollegin Jennifer Oeser aufs Handy geschickt. "Es ist toll, dass viele an mich denken. Ich hatte Jennifer mal den Hürden-Tipp gegeben, sie soll einfach laufen wie ein Wiesel", erzählte Cindy Roleder, die sich wie in den vergangenen zwei Jahren in der Mehrkampf-Gruppe in Halle pudelwohl fühlt und im spannenden DM-Finale ihre Stärken auf den letzten Metern ausspielte.

Bei den DHfK-Männern liegt nach wie vor ein Fluch über den Freiluft-Hürdenfinals. Einmal mehr erwischte es Alexander John, der im Ziel laut fluchte und später meinte: "So ein Rennen muss man vernünftig zu Ende laufen. Ich bin selbst schuld, habe das Nachziehbein unsauber über die letzte Hürde gebracht. Wahrscheinlich war ich in Gedanken schon im Zielsprint."

Dennoch gibt es an Johns Olympiastart nach mehrfach erfüllter Norm keine Zweifel. Wie er schlug auch Maximilian Bayer (4.) im Ziel einen Purzelbaum, Hallenmeister Erik Balnuweit (5./beide DHfK) wollte wohl zu viel.

DHfK-Flachsprinter Robert Hering machte mit Silber über 100 m einen großen Schritt Richtung Brasilien. "Das war ganz wichtig, um meinen Platz in der Staffel zu behaupten", sagte der Hermsdorfer nach einem Herzschlag-Finale, bei dem bis auf den souveränen Julian Reus alle gespannt auf die Anzeigetafel starrten. "Ich wusste absolut nicht, zu welchem Platz es gereicht hat. Ich dachte nur: Hauptsache Medaille", so Hering, der im 100-m-Turnier einen souveränen Eindruck hinterließ und gestern auch über die doppelte Distanz Zweiter wurde. Sein Kurzsprint-Silber war auch deshalb so wichtig, weil mit Platini Menga und Lucas Jakubczyk zwei Staffelkandidaten wegen muskulärer Probleme fehlten. Die Leipziger Sven Knipphals (4.) und Roy Schmidt (5.) bleiben für die Staffel im Blickfeld des Bundestrainers.

David Storl erfüllte im vierten Wettkampf zum dritten Mal die Olympianorm, doch seinen eigenen Ansprüchen wurde der zweifache Weltmeister mit den 20,75 Metern nicht gerecht. "Im Training lief es viel besser, beim Einstoßen auch. Es ist, als hätte danach jemand den Stecker rausgezogen. Das war zu verkrampft und macht so keinen Spaß", sagte der 25-Jährige, der dennoch die Ruhe bewahren will. Trainer Sven Lang: "Storli im Training und Storli im Wettkampf ? das sind zwei unterschiedliche Sportler. Wir brauchen vor Rio mehr Wettkämpfe, nach der EM schicke ich ihn in die Diamond League." Gestern holte Sara Gambetta mit der Kugel Bronze, insgesamt kam der SC DHfK auf sechs Medaillen.

Die weltweite Sperre der Russen findet Storl ein "richtiges Zeichen, dort wird systematisch gedopt". Robert Harting, der in einem mitreißenden Diskus-Finale sein Olympiaticket löste, meinte: "Ich begrüße das sehr, es ist ein Signal an den Weltsport. Im Sport gelten Regeln, wer die nicht befolgt, darf nicht mitmachen." Der Berliner findet den Gedanken interessant, die Russen auch in anderen Sportarten zu sperren.

Alexander John sieht die Sache dagegen zwiespältig: "Einerseits gab es viele positive oder vertuschte Fälle. Andererseits tut mir Weltmeister Sergej Schubenkov leid, denn bei ihm liegt keine positive Probe vor ? und es müsste die Unschuldsvermutung gelten." Auch Christina Schwanitz findet es nicht richtig, "alle über einen Kamm zu scheren". Cindy Roleder meinte: "Mich kann man auch nachts wecken und kontrollieren. Unsere Antidoping-Standards sollten in der ganzen Welt gelten." (Frank Schober)



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